Herzinfarkt

In Memmingen sollen durch Herzinfarkt vergleichsweise wenig Menschen sterben, der Herzinfarkt bleibt aber eine der wichtigsten Todesursachen.
30-40% der Infarkte verlaufen tödlich, heute meist aufgrund zu später Alarmierung des Notarztes. Starben vor 50 Jahren auch im Krankenhaus noch fast genauso viele, ist die Krankenhaussterblichkeit durch die moderne Kardiologie auf deutlich unter 5% gesunken. Der Herzinfarkt kommt zu 50% aus heiterem Himmel. Nur 50% der Betroffenen haben also vorher Beschwerden, die - richtig eingeschätzt - in eine lebensrettende Behandlung führen können.

Das Risiko für einen Infarkt kann abgeschätzt werden durch >Risikoabklärung.

Herzschmerzen - Angina pectoris - KHK

Herzschmerz ist wichtig für deutsche Seelen - Franzosen zum Beispiel schlägt Unangenehmes eher auf den Magen. Dabei können Oberbauchschmerzen auch mal vom Herz kommen. Hier geht es aber um die Beschwerden, die bei Durchblutungsstörungen des Herzens auftreten. Was spürt man da? Hinterm Brustbein wird es schmerzhaft eng, es schnürt ein, es brennt. Man nennt es Angina pectoris, deutsch: „Brustenge“. Diese Schmerzen können ausstrahlen, in jede Richtung, auch in Hals und Arme. Oft werden sie ausgelöst durch Belastungen aller Art. Dahinter steckt die „Koronare Herzerkrankung(KHK), bei der es zur Verengung der Blutgefäße kommt, die den Herzmuskel versorgen. Wenn als Ergebnis der Blutzufluss (meist bei Belastungen) nicht mehr ausreicht, dann wird der Muskel sauer, er macht Schmerzen.

Verengungen der Herzkranzgefäße entstehen durch verschiedenste Risikofaktoren, von Vererbung über Stress, Rauchen bis zu Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Cholesterinerhöhung. Folgen dieser Krankheit, neben Angina pectoris, sind Herzinfarkt, Herztod, Herzschwäche. Angina pectoris ist also ein Warnzeichen. Leider können diese Komplikationen häufig auch ohne dieses vorherige Warnzeichen auftreten: die Hälfte der Herzinfarkte kommen aus heiterem Himmel. Wenn bei Ihnen Risikofaktoren auch ohne Beschwerden vorliegen, dann sollten Sie sich daher zur Früherkennung untersuchen lassen. Diabetiker insbesondere sind enorm gefährdet. Die andere Hälfte der Infarkte kündigt sich durch Angina pectoris an. Wenn Sie davon betroffen sind, sollten Sie sich natürlich erst recht untersuchen und behandeln lassen, bevor ein Infarkt eintritt. Fast jeder zweite Herzinfarkt ist tödlich.

Die Sicherung der Diagnose „Koronare Herzerkrankung“ ist nicht einfach. Neben ihrer Erfahrung, müssen Hausarzt und Kardiologe Untersuchungen wie EKG oder Herzultraschall (Echokardiographie) zu einer Art Indizienkette zusammensetzen. Erhärtet sich der Verdacht, führt oft erst eine Herzkatheteruntersuchung zur endgültigen Diagnose. Diese kann bei uns ambulant durchgeführt werden, und auch die oft wichtige Therapie, PTCA mit Stent. Angina pectoris von anderen Brustschmerzen zu unterscheiden ist häufig schwierig, die Computertomographie und die Kernspintomographie haben nur einen geringen Stellenwert. Insbesondere bei akutem Auftreten stärkerer Brustschmerzen besteht Infarktverdacht. Wenn sie anhalten, sollte nach 15-20 Minuten der Notarzt gerufen werden.

Zur Behandlung der Koronaren Herzerkrankung sind Lebensstilveränderungen dringend empfohlen: extrem wichtig ist Rauchverzicht und Sport. Dazu kommen hochwirksame Medikamente. Bei gravierenderen Beschwerden oder lebensbedrohlichen Gefäßverengungen sind Eingriffe zur Verbesserung des Blutflusses nötig: die Bypassoperation, bei der der Herzchirurg „Umgehungsleitungen“ legt; oder die PTCA mit Stent, bei der der Kardiologe beim Herzkatheter die Verstopfungen der Herzarterien mit Ballon und Gefäßstütze aufweitet. Bei den allermeisten Patienten in allen Altersgruppen gelingt es heute, Angina pectoris wirksam zu behandeln und den sonst fortschreitenden Verlauf der Erkrankung aufzuhalten. Dies schlägt sich in unserer verbesserten Lebenserwartung nieder.