Dialyse

Neben der selteneren >Bauchfelldialyse, bei der eine Entgiftung über Flüssigkeitsaustausch in der Bauchhöhle erreicht wird, ist die sogenannte Hämodialyse das bei weitem häufigere Nierenersatzverfahren. Meist dreimal pro Woche wird über 4-5 Stunden kontinuierlich Blut durch eine Art Filter in einer Dialysemaschine ("künstliche Niere") geleitet. So werden Abbauprodukte des Stoffwechsels, überschüssige Salze und Wasser aus dem Blut gereinigt, die sonst eine Vergiftung ("Urämie") und Überwässerung, eine Art Wasservergiftung, hervorrufen würden. Dies geschieht unter ständiger ärztlicher und pflegerischer Betreuung in sogenannten Dialysezentren. Daneben ist eine ausgefeilte medikamentöse Therapie erforderlich.

Eine typische "Dialyse-Karriere"

Herr K. wusste schon seit einigen Jahren, dass er Diabetes hat, aber er musste ja noch nicht spritzen. Auch der Blutdruck macht ihm schon länger etwas Sorgen. Jahrelang war er fast nur zum Rezeptabholen zum Hausarzt gegangen. Da hatte er mal gehört, dass die Nierenwerte etwas auffällig seien. Er nahm an, das mit mehr Trinken wieder hinzubringen. Irgendwann wunderte er sich, dass er oft so müde war. Immer wieder war ihm übel und die Beine waren abends ziemlich geschwollen. Aber er trank ja viel und konnte viel Wasserlassen - dass die Nieren ein ernstes Problem haben, konnte ja gar nicht sein. Ein Bekannter empfahl ihm, doch endlich einen Termin in der Sprechstunde des Hausarztes wahrzunehmen.

Er erschrak über seinen Blutdruck von 180/110mmHg, das EKG war ebenso auffällig. Die Untersuchung des Labors ergab Eiweißausscheidung im Urin und stark erhöhte Nierenwerte. Der Hausarzt verschrieb ein zweites Blutdruckmittel - und eine Überweisung zum Nierenspezialisten. Dort stellte sich heraus: die Nieren waren geschrumpft, die Herzwände vom Bluthochdruck verdickt, die Blutsalze waren durcheinander, der Kalzium- und Kaliumhaushalt stimmte nicht mehr, es zeigte sich eine Blutarmut. Der Nierenspezialist führte mit ihm ein sehr ernstes Gespräch. Die Nieren würden schon beginnen, zu versagen. Sie scheiden das Wasser noch aus, aber sie entgiften den Körper nicht mehr. Daher und wegen des hohen Blutdrucks ginge es ihm so schlecht. Wenn alles gut liefe, könne man noch eine Zeit ohne Dialysebehandlung auskommen.

Herr K. musste mit einer Diät beginnen, vieles war verboten, was er bisher für so gesund hielt, sein Obst und Müsli. Er bekam weitere Medikamente, noch mehr Blutdruckmittel. Der Blutdruck sank, ihm war etwas weniger übel, aber er war immer noch müde. Das nächste Gespräch mit dem Nierenspezialist ergab, dass die Nierenschädigung durch den jahrelangen Diabetes und Hochdruck nicht mehr zu heilen war. Bei einer weiteren Verschlechterung seines Zustands würde die Dialyse notwendig. Er hörte, dass Bauchfelldialyse möglich sei, die er selbständig zu Hause über einen in den Bauch implantierten Katheter durchführen könnte. Er entschied sich aber doch für die andere Alternative der Dialyse, die Hämodialyse, das heißt direkte Blutwäsche. Der Nierenspezialist vereinbarte dafür einen Operationstermin für einen Dialyse-Shunt, das ist eine Gefäßfistel am Arm, über die die Blutentnahme und -zufuhr stattfinden kann. Nachdem er sich weiter müde fühlte, verordnete er ihm jetzt auch EPO-Spritzen, das kannte er vom Sportteil der Zeitung. Die mangelnde Produktion dieses Blutbildungshormons in der Niere wird mit diesen teuren Medikamenten ausgeglichen. Allmählich ging es etwas besser, die Shunt-Operation war auszuhalten.

Ein halbes Jahr verging, die Übelkeit kam wieder, er war wieder matt. Auf Drängen seiner Frau meldete er sich dann beim Hausarzt. Der schaltete schnell: der Kaliumwert im Blut war stark überhöht, die Situation lebensbedrohlich. Noch am gleichen Tag schloss ihn der Nierenspezialist an die Dialyse an. Lange 5 Stunden, zum Glück schlief er nach zwei Stunden doch ein. Ziemlich geschafft, aber mit normalen Werten brachte ihn das Taxi nach Hause. Von nun begann ein neuer Alltag. Dreimal pro Woche kam Herr K. zur Dialyse. Aber da war er nicht allein, er erlebte, wie andere schon seit Jahren damit umgingen. Bald fühlte er sich bei den Dialyseschwestern gut aufgehoben und sogar ein bisschen beheimatet. Die Dialyse vertrug er zunehmend besser, die Übelkeit verschwand, er fühlte sich auch wieder fitter. Froh war er, als der Facharzt ihn aufforderte zu trainieren. Vielleicht klappt es doch noch mal mit den geliebten Bergtouren.